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QUEICHTALMUSEUM Offenbach
Der Storch
Ciconiae Ciconiidae Der Storch ... besitzt unter den Vögeln unzweifelhaft eine außerordentlich große Popularität.Das liegt sicher daran, dass sich der Storch wie keine andere Großvogelart in Mitteleuropa dem Menschen so eng angeschlossen hat. Seit jeher verehrt und sogar für heilig gehalten, hat der Storch eine Sonderstellung inne, die uns unzählige Sagen, Erzählungen, Kinderreime, Gedichte, Märchen, Fabeln, Lieder, Komödien und Szenen beschert hat. |
| Der
Storch
eine Ausstellung im Queichtalmuseum Offenbach an der Queich, Haupstraße 11vom 14. März bis 30. Mai 1999. Öffnungszeiten: Sonntag 10.00 - 12.00 Uhr und 15.00 - 18.00 UhrEintritt: 3,-- DM Impressum Herausgeber: Queichtalmuseum Offenbach, Hauptstraße 11, 76877 Offenbach an der QueichText: Elvira Gensheimer Layout: Axel Wassyl © März 1999 Quellen: Oskar Dänhardt; Natursagen, Leipzig, 1907 - 1912 René Salathé; Storchen ABC, Basel 1996 Gundula Hubrich-Messow; Der Storch, Husum 1996 Hanns Bächthold-Stäubli; Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Berlin 1927 Vera Wildgruber; Und trägt auch rote Strümpfe, Verl. am Brink 1995 ; Erzähl' mit nichts vom Storch!; Verl. am Brink 1996 Hans Biedermann; Knaurs Lexikon der Symbole, München 1989 |
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Der Storchenkrieg in Speyer 1788 den 2. August zu der Morgendämmerung versamelten sich sehr viele Leute an der Sonnen-Apotheke, da Sie in derselben einen großen Lärm hörten. Der Eingang wurde niemand gestattet, da es ein Zwist der Nachbarsleute war. Es hatte schon vor vielen Jahren auf einem alten Kirchthurme neben der Apotheke ein Storchennest gestanden, welches aber durch den Abbruch des Thurmes beseitigt wurde. Die guten Thiere flogen unaufhörlich von Dache zu Dache ihr so lange behauptetes Nest aufzusuchen. Die Nachbarn ergözten sich oft, wenn Sie sahen, wie Sie ihre Jungen fütterten. Deswegen entschloß sich Herr Sonntag, welcher die Apotheke bewohnte, auf seinem Hausdache ein künstliches Nest zu bauen, welches auch die Vögel sogleich einnahmen, die Ursache, da sie an die Gegend gewöhnt waren. Die Freude der dabey wohnenden war außerordentlich. Nun wurde aber sehr schnell diese Freude gestört, da neben der Apotheke ein Haus verkauft wurde, welches jetzt ein Schneidermeister bewohnte, der in beständigem Zank mit Herrn Sonntag war wegen des errichteten Storchennestes auf seinem Dache, da er angab, Sie schleppten vieles Ungeziffer, welches sie oft fallen lassen, in seinen Dachkandel. Herr Sonntag erbot sich alle Monat denselben reinigen zu lassen. Dazu aber verstand sich der Nachbar nicht und seine Bosheit ging so weit, daß er in der Nacht das Nest mit einer langen Stange zerstörte. Sonntag, welcher einen Verdacht auf ihn hatte, klagte denselben bey der Obrigkeit an, aber er half sich mit einer Ausrede, indem er sagte es wäre ihm selbste sehr leid, daß das Nest zerstört seye, da der in der vergangenen Nacht so heftige Wind auch viele Ziegeln von seinem Dache herabgeworffen hätte. Deswegen wurde beschlossen, da nichts gewisses erwiesen werden konnte, das Nest herunterzuwerffen. Den 19. August begaben sich alle Nachbarn zu der Obrigkeit und verlangten, daß das Storchennest in ihrer Straße bleiben möchte, welches schon ihren Vorfahren Freude machte, deswegen ihr Anliegen gehöre fand, mit dem ausdrücklichen Befehl sich friedlich zu betragen. Neben dem Schneidermeister wohnte ein Weisgerber und dieser traf sogleich anstalt auf seinem Dache ein Nest zu bauen, welches zur Freude der Nachbarn Sie einnahmen. Der Schneidermeister erhob auch Klage gegen diesen Nachbarn, kurz er wollte allein das Nest nicht dulden. Aber diese Vögel sind nicht sobald zu verscheuchen, zumalen da die Zeit heranrückt, da Sie sich zu ihrem Rückzuge vorbereiten und in der ganzen Gegend versammeln und, wie bekannt ist, auch wieder in dem Frühjahr ihr verlassenes Nest wieder einnehmen. |
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Der Schneidermeister ersann sich eine böse List, um diese Vögel gewiß los zu werden und legte deswegen seine Gesellen auf den oberen Speicher um zu schlafen und da dieselben frühe aufstanden auch großen Lärm machten, so erreichte er endlich seine böse Absicht und verließen zur Trauer der Nachbarn das Nest, welches ganz nahe bei der Schlafstätte stand. Da machte ein Nachbar einen Aufsatz aus Zorn, welcher hieß: Sie kamen an und riechten bald Daß unter diesem Aufenthalt Drey Ziegenböcke stecken. Die Schneidergesellen fanden sich dadurch sehr beleidigt als Sie diesen Aufsatz lasen und bestiegen des Weisgerbers Dache und wurffen das Nest herunter. Jetzt kamen alle Nachbarn aus ihren Häusern gelauffen und arretirten die Gesellen. Da viele fremde auf der Herberge waren, so mengten auch diese sich mit ein. Keine große Hülfe war vorhanden, da die Stadt Speyer zu dieser Zeit kaum 20 Mann Stadt Soldaten zählte, welches schon alte Leute waren. Die Trommel wurde gerührt, da die Übermacht der Gesellen siegen mußte, da viele Bürger ihr Haus nicht verlassen konnten, da die Gesellen fortgelaufen waren. Viele Bürger kamen in ein starkes Gedränge. Die Gesellen des Schneidermeisters, die im Anfange arretiert waren, wurden von ihren Kameraden befreit. Diese wollten ihren Meister unterstützen und besetzten sein Haus. Die Stadt Soldaten wollten Gewalt anwenden um in das Haus zu dringen. Es war unmöglich, denn ihre Zahl war zu klein, da Sie einige Mann auf der Hauptwache haben mußten. Auf der sogenannten Weinbrücke kam es zu Schlägereien unter den damals in Speyer sich aufhaltenden Werber, Preußen und Kaiserliche, welche einige Gesellen angeworben hatten und welche sich, als der Lärmen kam, aus dem Wirtshause, wo sie angeworben waren, entfernten. Auf der Weinbrücke wurde jetzt der Zudrang so groß, daß viele Leute schaden litten. Die Werber waren genötigt von ihren Waffen einen Gebrauch zu machen und ihr Recht zu suchen. Eine Obsthändlerin verlor ihren linken Arm, viele stürtzten in den Speierbach. Da ergab es sich, daß einige angesehene Bürger der Stadt, welche die Bürgerschaft hoch achtete, durch ihr vertrauliches Zureden zur Ruhe dem Streit einhalt geschah und befahlen unter keinen Umständen einen zu arretiren. Dadurch wurden die Gemüther ruhig, der Tag neigte sich, die Ruhe tratt ein. - Der Magistrat ließ den andern Tag durch die Schelle verkünden, daß auf dieser Straße, wo der Thurme gestanden, jetzt ein neues Haus stehet, ein Nest soll erbaut werden, da dieser Bürger, wo es bewohnt, darauf angetragen, daß ihm und seinen Erben auf undenkliche Zeiten hinaus das Recht zustehe und verbleiben solle. Herr Sonntag, welcher schon in einem hohen Alter stand, konnt den Tumult nicht vertragen, welcher auch bald seinen Tod herbeyführte. Der Schneidermeister wurde, wie es nicht anders seyn konnte, eine lange Zeit als Ruhestörer angesehen, bis endlich die Zeit es vergessen machte. Darum ist die Eintracht des Bürgers einer Stadt eine goldene zu nennen, da diese Stadt ohnehin schon vielen Gefahren ausgesetzt war. Konservator Braun (1772 - 1844) |
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der Frühlingsbote...
"Am Tage, wo die Störche ins Dorf kamen, blitzte der Frühling durch Regen und Schnee..." schrieb einst Bogumil Goltz (1801 - 1870) in seinem "Buch der Kindheit" und Arno Surminski fragt in seinem Roman "Jokehnen" zum Frühling 1945 "Wo bleiben nur die Störche?" Als Frühlingsbote sehnsüchtig erwartet, wurde der Storch oft jubelnd begrüsst. So soll es in einigen Gegenden Deutschlands und der Schweiz Brauch gewesen sein, dass ein Turmwächter die Ankunft des Storches anblies. Was schallt durch die Strassen, horch!Der Storch, der Storch ! Und stattlich tritt er auf den Altan* Der Stadttrompeter und fängt an Zu blasen aus wahrer Herzenslust. Es eilt sein Weib in schnellem Sprung, zu holen den köstlichen Ehrentrunk, Den der Stadtkellner seit alter Zeit ihr für die frohe Botschaft beut. Johann Martin Usteri (1763 - 1827)
*Altan = Söller (eine Art Balkon)
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...das
Fabeltier
Fabeldichter haben entwender in Versform oder in kurzen Erzählungen in kunstvoller Art und Weise der unbeseelten Natur und den Tieren Vernunft und Sprache verliehen, um menschliche Verhaltensweisen und Eigenschaften zu entlarven. Aesop (verm. 6. Jh. v. Chr.) gilt als Vater der europäischen Fabel. Seinem Fabelschatz ist folgende Geschichte entnommen: Der Fuchs und der Storch Herr Fuchs wollte sich einen vergnügten Abend bereiten; und zwar machte er es auf diese Weise: Er lud den Storch freundlich zum Abendbrot ein, bereitete eine sehr schmackhafte Suppe, brachte diese aber in einer ganz flachen Schüssel auf den Tisch. Der Storch konnte natürlich mit seinem langen Schnabel nicht von der flachen Schüssel wegbekommen und mußte trübselig zusehen, wie sein Wirt sich die Suppe schmecken ließ. Nicht lange darauf bat nun der Storch den Fuchs, ihn zu besuchen. Und siehe, da setzte er ihm die Mahlzeit in einer Flasche mit langem, engem Halse vor. Mit Leichtigkeit steckte der Storch seinen Schnabel in die Flasche und lobte die feine Brühe, während der Fuchs wütend und hungrig da saß und vorgab, keinen Appetit zu haben, denn er konnte seine Schnauze unmöglich in die Flasche hineinbringen. Bild oben: Grandville, Fuchs und Storch |
Auch in der Bilderwelt des französischen Dichters Jean de la Fontaine, der durch seine Fabeln Weltgeltung erlangte, hat der Storch Eingang gefunden. Gérard Grandville (1803 - 1847): Illustration zu der Fabel von La Fontaine, 1838 |
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Zeichnung: Wilhelm Busch ...der Kinderbringer... "Storch, Storch, Du Guter,bring mir 'nen kleinen Bruder! Storch, Storch, Du Bester, bring mir 'ne kleine Schwester! Klapperstorch, Langbein, bring 'nen Bruder und ein Schwesterlein!" Sangen früher die Kinder und legten, um den Storch zu locken, oft noch ein Stückchen Zucker auf's Fensterbrett, in der festen Überzeugung, der Storch habe mit dem geheimnisvollen Rätsel der Menschenherkunft zu tun. Das "Storchenmärchen" scheint erst im 18. Jh. in Erscheinung getreten zu sein. Der Legende nach soll der Storch die Kinder aus einem Brunnen holen und anschließend die Mutter ins Bein beißen, damit sie ins Bett muss, in welches er dann das Kind legt. Die Herkunft dieser früher vor allem in Norddeutschland verbreiteten abergläubischen Vorstellung ist unbekannt. Es gibt lediglich Vermutungen. Laut Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens scheint der Ausdruck "Der Storch hat die Mutter ins Bein gebissen "auf die mythologische Vorstellung von der Geburt aus dem Bein zurückzugreifen". Das Bild vom "Kinderbrunnen" resultiert möglicherweise aus der Vorstellung, dass sich die Ungeborenen im Wasser aufhalten. Der Glaube, alles Leben komme aus dem Wasser, ist auf der ganzen Welt heimisch. Eine Theorie versucht, die deutsche Mär mit einigen im Mittelalter erschienen Holzschnitten von Störchen zu erklären, die einen Frosch im Schnabel tragen. Durch die grobe Holzbearbeitung ähnelten die Frösche eher den Säuglingen. Wie aber kommt es, dass ein Mensch der Altsteinzeit in Südwestafrika einen Storch oder einen Strauß mit einem dicken Baby im Schnabel in die Felswand ritzte? Die psychoanalytische Symboldeutung bietet eine weitere Interpretation: Sie sieht den Storchenschnabel als Bild des Phallus, den "Kinderbrunnen" als Symbol des Mutterschoßes. |
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...der wohltätige Vogel Anders als heute, da wir durch unseren skeptischen Realismus nur das als Wahrheit annehmen, was die Forschung nachweisen kann, glaubte man früher ab Tiere, die es überhaupt nicht gibt bzw. schrieb existierenden fabelhafte Eigenschaften zu. So gilt der Storch seit alters her als Sinnbild der kindlichen Dankbarkeit. |
| ...wo
zieht er hin,
wo kommt er her ?
Der Storchenzug gab den Menschen seit alters Rätsel auf. Denn wohin die Reise führt, zu der die Störche des Sommers aufbrechen, blieb lange verborgen. Erst die systematische Beringung um die Wende zum 20. Jahrhundert brachte erste belegbare Erkenntnisse. Davor ließ das Geheimnis um das Winterquartier viel Raum für allerlei Spekulationen... Der deutsche Theologe, Philosoph und Naturforscher Albertus Magnus (1193 - 1280) war der Überzeugung, dass die Störche den Winter im Wasser verschlafen. Auch der Poet Johannes Praetorius (1630 - 1680) schrieb eine ganze Abhandlung zum Problem, wo sich die "obgedachten Sommer-Boten, wie auch andere unstet lebenden Vögel und Thiere... nach ausgehender Jahres-Wärme von uns hinwenden und die Kälte über hausen? Obs in den südlichen Gegenden geschehe; Oder vielmehr, ob sie sich bej uns in die Wasser versencken?" Deutsche Märchen berichten, dass Störche im Herbst in ein fernes Land ziehen und dort den Winter als Menschen verbringen würden. Das StorchlandAlfred Haas Wenn uns die Störche im Herbste verlassen, ziehen sie in ein fernes Land, wohin nur selten ein Mensch zu kommen pflegt. Hier leben die Störche aber nicht in Tiergestalt, sondern sobald sie dort angekommen sind, verwandeln sie sich in wirkliche richtige Menschen, bloß ihre Nahrung bleibt die frühere, nämlich Frösche, Mäuse und Weichtiere. Daß die Sache sich in der Tat so verhält, hat vor Jahren ein rügenscher Schiffer durch eigene Anschauung erfahren. Derselbe war durch einen gräßlichen Sturm wochenlang auf dem Meere herumgeschleudert worden, bis er endlich, nachdem er sein Schiff mit der ganzen Mannschaft verloren hatte, in das ferne Storchenland kam. Als er die ersten Leute traf, bat er sie, daß sie ihm doch zu essen und zu trinken geben möchten. Sie waren auch gerne bereit dazu uns setzten ihm eine große Schüssel mit Fröschen und Mäusen vor. Als unser Schiffer voller Verwunderung fragte, was er damit solle, antworteten jene:" Wenn wir bei euch zu Gaste sind, bekommen wir auch nichts anderes zu essen als Frösche und Mäuse." Darüber verwunderte sich der Schiffer noch mehr und fragte, ob sie denn jemals auf Rügen gewesen wären; denn er merkte immer noch nicht, was es mit den Bewohnern des Landes für eine Bewandtnis habe. Da erzählten sie, daß sie sich in jedem Frühling in Störche verwandelten und nach dem Norden übersiedelten, wo sie dann den ganzen Somer hindurch verweilten. Er wäre gerade zu demjenigen Teile ihres Volkes gekommen, der den Sommer hindurch auf Rügen zu leben pflegte; sie wüßten dort ganz genau Bescheid und kennten Land und Leute; auch ihn, den Schiffer, hätten sie dort schon gesehen. Auf welche Weise der Schiffer in seine rügensche Heimat zurückgekommen ist, das weiß man nicht mehr; denn es ist schon zu lange her, daß sich die Geschichte ereignet hat. (Jasmund, Rügen)
Der Mecklenburger Pfeilstorch
Am 21. Mai 1822 wurde von einem Strohdach auf Gut Bothmer bei Kütz in Mecklenburg ein Weißstorch erlegt, in dessen Hals ein Pfeil aus dem zentralen Afrika steckte.Der Storch war mit diesem Pfeil im Hals die weite Strecke nach Deutschland zurückgeflogen.Mit diesem Exemplar wurde der bereits bestehende Verdacht bestätigt, daß unsere Störche im Winter bis weit nach Afrika ziehen. Die bis dahin vertretenen Theorien über Winterschlaf, Verstecken usw. wurden endgültig aufgegeben |
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..das Orakeltier Dem Storch wurden viele sagenhafte Eigenschaften nachgesagt und so glaubte ein mancher aus dem Gebaren des Storchs die Zukunft ablesen zu können... "Als Attila schon lange die Stadt Aquileja belagerte (452 n. Chr.) und die Römer hartnäckig widerstanden, fing sein Heer an zu murren und wollte von dannen ziehen. Da geschah es, dass der König im Zweifel, ob er das Lager aufheben oder noch länger harren sollte, um die Mauern der Stadt her wandelte und sah, wie die weissen Vögel, nämlich die Störche, welche in den Giebeln der Häuser nisteten, ihre Jungen aus der Stadt trugen und gegen ihre Gewohnheit auswärts an Land schleppten. Attila, ein weiser Mann, rief seine Leute und sprach: < Seht diese Vögel, die der Zukunft kundig sind, verlassen die bald untergehende Stadt und die einstürzenden Häuser!> Da schöpfte das Heer neuen Mut, und sie bauten Werkzeuge und Mauerbrecher; Aquileja fiel im Sturm und ging in Flammen auf. Diese Stadt wurde so verheert, dass kaum Spuren übrig blieben, wo sie gestanden hatte."
Historische Storchensage aus dem Sagenschatz der Gebr. Grimm (Anfang 19. Jh.) |
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...der Glücksbringer Der Storch hat in Deutschland viele Namen: Heilebar, Heilbot, Heinotter usw., vor allem aber Adebar. Diese aus dem Niederdeutschen kommende Bezeichnung bedeutete ursprünglich "Sumpfgänger", wurde aber bald in "Glück, Besitz bringend" umgedeutet. Im deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm von 1891 heißt es beispielsweise: "Wer das Glück hat, dass die Störche ihr Nest auf sein Haus oder Schornstein bauen, der wird lange leben und reich werden." |
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...der verwandelte Mensch Die "Rätsel", die der Storch dem Menschen aufgab, bewegten nicht nur bei uns die Gemüter. In vielen slawischen Sagen wird von der Erschaffung des Storches berichtet. So soll der Mensch zur Strafe für ein Vergehen in einen Storch verwandelt worden sein... Späne verwandeltOskar Dänhardt Als der Teufel den Wolf geschnitzt hatte, sammelte Gott die vielen Späne in einen Sack und übergab ihn Adam, damit er ihn in den Fluß werfe. Doch dürfte er ihn nicht aufbinden. Adam trug ihn zum Fluß. Dort aber packte ihn die Neugier, was darin sein möchte, und er konnte nicht widerstehen. Als er nun den Sack aufband, krochen Frösche, Reptilien, Eidechsen, Schlangen - alles heraus. Adam erschrak sehr und lief zurück. Gott, der alles gesehen hatte, verwandelte ihn in einen Storch und sprach: "So lange wirst du sammeln, bis du alles beisammen hast. Dann wirst du wieder zum Menschen werden." (Weißrußland) |
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...in der Heilkunde In unserer heutigen naturwissenschaftlich orientierten Heilkunde finden insbesondere synthetische, pflanzliche und mineralische Grundstoffe ihre Verwendung. In der Antike und das ganze Mittelalter hindurch bis in die späte Neuzeit waren auch Stoffe tierischer Herkunft von Bedeutung. Auch der Kot der Tiere wurde als Arzneimittel in der Ur- und Volksmedizin eingesetzt, hauptsächlich äusserlich in Salben und Verbänden angewendet. In "Tierische Drogen. Sachwörterbuch zur Geschichte der pharmazeutischen Zoologie" von Prof. Dr. Wolfgang Schneider (1968) finden wir unter "Stercus (Kot),... wichtige Sorten der Antike" den Eintrag: "Stercus Ciconiae, Storchenkot (gegen Epilepsie)". Der Storch ist ebenfalls in den naturkundlich-medizinischen Schriften der Äbtissin Hildegard von Bingen (1098 - 1179) zu finden. Das Werk "Causae et curae" (Ursachen und Behandlung der Krankheiten) enthält folgende Rezeptur mit Storchenfett zu Behandlung von Aussatz: "Vom Aussatz. Wer vom Fressen und Saufen aussätzig wird, nehme Schwalbenkot und viermal soviel von dem Kraut, welches Klette genannt wird und rötliche Blüten hat, und mache daraus ein Pulver. Auch nehme er Storchenfett und etwas mehr Geierfett, schmore es in einem Tiegel, mische darauf das eben erwähnte Pulver und bereite so daraus eine Salbe" |
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...als Vorbild für die Fliegekunst Otto Lilienthal (1848 - 1896), deutscher Pionier der Luftfahrt, schrieb in "Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst": "Alljährlich, wenn der Frühling kommt und die Luft sich wieder bevölkert mit unzähligen frohen Geschöpfen, wenn die Störche zu ihren alten nordischen Wohnsitzen zurückgekehrt, ihren stattlichen Flugapparat, der sie schon viele Tausende von Meilen weit getragen, zusammenfalten, den Kopf auf den Rücken legen und durch ein Freudengeklapper ihre Ankunft anzeigen... dann ergreift auch den Menschen eine gewisse Sehnsucht, sich hinaufzuschwingen, und frei wie der Vogel über lachende Gefilde, schattige Wälder und spiegelnde Seen dahinzugleiten und die Landschaft so voll und ganz zu genießen, wie es sonst nur der Vogel vermag. Wer hätte wenigstens um diese Zeit niemals bedauert, daß der Mensch bis jetzt der Kunst des freien Fliegens entbehren muß und nicht auchwie der Vogel wirkungsvoll seine Schwingen entfalten kann, um seiner Wanderlust den höchsten Ausdruck zu verleihen? Sollen wir denn diese Kunst immer noch nicht die unsere nennen und nur begeistert aufschauen zu niederenWesen, die dort oben im blauen Äther ihre schönenKreise ziehen? Die Beobachtung der Natur ist es, welche immer und immer wieder dem Gedanken Nahrung giebt. Es kann und darf die Fliegerkunst nicht für ewig dem Menschen versagt sein" ... Otto Lilienthal und sein Bruder Gustav hegten schon in frühesterJugend den Wunsch zu fliegen. Mit 13 und 14 Jahren starteten sie die ersten Flugversuche, wobei der Storch in ihren Überlegungen und Versuchen eine bedeutende Rolle spielte. "Wir können dieses Thema nun nicht verlassen, ohne noch einmal auf einen Vogel zurückzukommen, welcher gleichsam zum Fliegervorbilde für den Menschen geschaffen zu sein scheint, welcher als einer der größten Vögel unseres Erdteiles auch alle Künste des Fliegens versteht, ein Vogel, den wir in seinem Naturzustande in der vollen Freiheit seiner Bewegungen beobachten können, wie keinen anderen. Ich meine den Storch, der alljährlich in unsere Ebenen aus seiner, tief im Innern Afrikas gelegenen, zweiten Heimat zurückkehrt, der auf unseren Häusern geboren wird, auf unseren Dächern seine Jugendtage verlebt und über unseren Häuptern von seinen Eltern im Fliegen unterrichtet wird. Fast möchte man dem Eindrucke Raum geben, als sei der Storch eigens dazu geschaffen, um in uns Menschen die Sehnsucht zu Fliegen anzuregen und uns als Lehrmeister in dieser Kunst zu dienen; fast hört man's, als rief er die Mahnung uns zu: O, sieh', welche Wonne hier oben uns blüht, wenn kreisend wir schweben im blauen Zenith, und unter uns dehnt sich gebreitet die herrliche, sonnenbeschienene Welt, umspannt vom erhabenen Himmelsgezelt, an dem nur Dein Blick uns begleitet! Uns trägt das Gefieder; gehoben vom Wind die breiten, gewölbten Fittige sind; Der Flug macht uns keine Beschwerde; Kein Flügelschlag stört die erhabene Ruh'. O, Mensch, dort im Staube, wann fliegest auch Du? Wann löst sich Dein Fuß von der Erde? Und senkt sich der Abend, und ruhet die Luft, dann steigen wir nieder im goldigen Duft, verlassen die einsame Höhe. Dann trägt uns der Flügelschlag ruhig und leicht dem Dorfe zu, ehe die Sonne erweicht; dann suchen wir auf Deine Nähe. So siehst Du im niederigen Fluge uns ziehn im Abendrot über die Gärten dahin. Zum Neste kehren wir wieder. Auf heimischem Dache dann schlummern wir ein, und träumen von Wind und von Sonnenschein, und ruh'n die befiederten Glieder. Doch treibt Dich die Sehnsucht, im Fluge uns gleich dahinzuschweben im Lüftebereich die Wonnen des Flug's zu genießen, so sieh' unsern Flügelbau, miß unsre Kraft, uns such' aus dem Luftdruck, der Hebung uns schafft, auf Wirkung der Flügel zu schließen. Dann forsche, was und zu tragen vermag bei unserer Fittige mäßigem Schlag, bei Ausdauer unseres Zuges! Was uns eine gütige Schöpfung verlieh'n, draus mögest Du richtige Schlüsse dann zieh'n, und lösen die Rätsel des Fluges Die Macht des Verstandes, o wend' sie nur an, es darf Dich nicht hindern ein ewiger Bann, sie wird auch im Fluge Dich tragen! Es kann Deines Schöpfers Wille nicht sein, Dich, Ersten der Schöpfung, dem Staube zu weih'n, Dir ewig den Fluf zu versagen! Otto Lilienthal (1848 - 1896) |